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„300 Metern WLAN-Reichweite“ so oder in der Art bewerben die meisten Hersteller ihre Router. Oft genug funktioniert die Datenübertragung via WLAN bereits im Nachbarzimmer nicht mehr.

Wer kennt es nicht, Webseiten die sich in Zeitlupe aufbauen, E-Mails die nicht abgerufen oder versendet werden können und Videos mit permanenten Ladebalken. Mit modernen Endgeräten und WLAN-Standards sind Datenpakete normalerweise hyperschnell unterwegs. Meist reichen bereits vermeintlich kleine Hürden und die Übertragungsgeschwindigkeit sinkt rapide. Es verringert sich die Reichweite und direkte Unterbrechungen der Funkverbindung sind die Folge. Wir versuchen Ihnen in diesem Artikel gezielt Tipps zur Identifizierung der Fehlerquellen und Verbesserung zu ermöglichen.

Wie kann ich unterscheiden, ob nun das WLAN nicht funktioniert oder das Internet generell zu langsam ist?

Die sicherste Methode ist ein direkter Zugriff auf ihr Endgerät. Hier können Sie die reale von Ihrem Provider zur Verfügung gestellte Geschwindigkeit überprüfen. Die Benutzeroberfläche der von der wittenberg-net GmbH zur Verfügung gestellten Fritz!Box-Endgeräte können Sie mit allen Computern, Smartphones oder Tablets, die verbunden sind (z.B. über WLAN), einfach im Internetbrowser (Mozilla, Chrome, Edge, Opera, etc.) über die Adresse http://fritz.box oder http://192.168.178.1 öffnen. Bereits in dem ersten Menü „Übersicht“ erhalten Sie detaillierte Produkt-, Anschluss- und Verbindungsinformationen.

Übrigens, für den Aufruf der Benutzeroberfläche müssen Sie die FRITZ!Box nicht extra einrichten. Auch ein Internetzugang ist nicht erforderlich. Tragen Sie immer die vollständige Adresse http://fritz.box ein. Wenn Sie die Adresse z.B. ohne das "http://" eintragen, kann es passieren, dass der Internetbrowser eine Suchanfrage im Internet durchführt, statt die Benutzeroberfläche aufzurufen.

Hilft mir die WLAN- Signalanzeige weiter?

Die WLAN-Signalanzeige in der Statusleiste Ihres Computers, Smartphones und Tablets ist ein wichtiger Indikator für die Verbindungsqualität zu Ihrem Endgerät. Das Symbol zeigt an, wie gut die derzeitige WLAN-Signalqualität aus Sicht des mobilen Endgeräts ist. Je mehr Balken zu sehen sind, desto besser ist das Signal am jeweiligen Standort. Bei schlechter Verbindung hilft oft bereits eine einfache Standortänderung, indem Sie Ihre Position innerhalb der Räumlichkeiten ändern oder näher zum Router gehen. Halten Sie dabei das Signalsymbol im Auge. Allerdings ist es kaum praktikabel, in den eigenen vier Wänden umherzulaufen, um einen besseren WLAN-Empfang zu bekommen.

Häufig bringt bereits eine Neupositionierung Ihres WLAN-Routers eine deutliche Empfangssteigerung. Je weiter der Empfänger vom Router entfernt ist, desto langsamer wird die Übertragung. Die Internetverbindung nimmt abhängig von der Entfernung stufenweise ab. Der Empfang lässt sich bereits verbessern, wenn Sie den WLAN-Router nicht auf den Schreibtisch oder Fußboden, sondern auf einen Schrank stellen. Ein zentraler, erhöhter Standort optimiert die Signalstärke. Das Gerät sollte möglichst in alle Richtungen frei senden können. Das Aufstellen unter dem Schreibtisch, in Ecken, auf einem Computergehäuse oder in der Nähe von Haushalts- und Unterhaltungsgeräten, sowie Sicherungsanlagen sollten Sie in jedem Fall vermeiden. Wollen Sie auch im höheren oder unteren Stockwerk surfen, sollte der Router über, beziehungsweise unter dem jeweiligen Zimmer aufgestellt werden.

Kann ich nicht auf einen alternativen Funkkanal ausweichen?

Ja, oftmals reicht es für eine bessere WLAN-Anbindung aus, den Kanal des WLAN-Routers zu wechseln, insbesondere wenn sich benachbarte WLANs in die Quere kommen und gegenseitig ausbremsen. Damit sich in Mehrfamilienhäusern die Funknetzwerke der einzelnen Parteien nicht gegenseitig blockieren, funken WLANs im 2,4-Gigahertz-Frequenzband auf einem von 13 Kanälen. Je weiter die in einem Gebäude verwendeten Kanäle entfernt liegen, desto weniger überlappen und stören sie sich gegenseitig. Aus diesem Grund sollten Sie bei einem geringen WLAN-Datendurchsatz auch versuchshalber im Bedienmenü Ihres Routers auf einen anderen Kanal ausweichen – empfehlenswert sind die Kanäle 1, 6 und 11. Ein Wechsel vom 2,4-Gigahertz-Frequenzband auf das weniger ausgelastete 5-Gigahertz-Band wird auch empfohlen.

Unser Tip: Moderne Router-Modelle mit Dual-Band-Modus oder Crossband-Repeating unterstützen gleichzeitig das 2,4- und das 5-GHz-Band.

Zum Kanalwechsel rufen Sie im Webbrowser die Benutzeroberfläche des Routers auf und stellen einen manuellen Kanal ein. Anschließend müssen Sie die bislang mit dem Funknetz verbundenen Geräte neu mit dem WLAN verbinden. Eine ausführliche Anleitung haben die Kollegen des Magazins „Chip“ Ihnen hier zur Verfügung gestellt.

Gibt es WLAN-Verstärker?

Ein sehr gutes Mittel, um Funklöcher zu verkleinern, ist ein WLAN-Repeater, der die Reichweite Ihres Funknetzes vergrößert. Die Geräte, die meist nur so groß wie Schaltsteckdosen sind werden meist ohne störende Kabel einfach in eine Steckdose gesteckt. Je nach Hersteller kosten die Geräte zwischen 30 und 80 Euro. Wie empfehlen hier die WLAN-Repeater unseres Partners AVM. Selbstverständlich erhalten Sie unter anderem von TP-Link, Dlink, 7Links, Zyxel, etc. vergleichbare Geräte. Der Repeater muss nicht vom selben Hersteller wie Ihr WLAN-Router stammen.

Die Einrichtung ist rasch erledigt, abhängig vom Repeater-Modell und dem Router genügt oft ein Tastendruck an beiden Geräten, um die Verbindung herzustellen. Nutzen Sie hierzu bitte das beigefügte Handbuch oder kontaktieren Sie den Hersteller.

Eine generelle Schwäche von Repeatern ist der Umstand, dass sie den maximalen Datendurchsatz des Funknetzwerkes verringern. Die Datenrate halbiert sich, weil jedes Datenpaket doppelt gesendet werden muss. Von den bis zu 300 MBit/s bei einem Router gemäß 802.11n-Standard bleiben dann lediglich 150 MBit/s übrig. Fürs Surfen, Musikhören, Videogucken wie auch für App-Installationen ist diese Tempoeinbuße kaum relevant, beim Kopieren großer Datenmengen zwischen zwei verschiedenen Endgeräten dagegen schon. Um Funklöcher in größeren Wohnungen zu vermeiden, lassen sich mehrere Repeater einsetzen. Die einzelnen Repeater müssen dabei so eingerichtet werden, dass sie jeweils das Signal des WLAN-Routers verstärken und nicht das eines anderen Repeaters! Sonst würde der Repeater die ohnehin schon halbierte WLAN-Geschwindigkeit weiter reduzieren. Ein Weg, eine solche Fehlkonfiguration auszuschließen, besteht darin, immer nur einen Repeater anzuschließen und zu konfigurieren.

Ich habe einen älteren WLAN-Router, kann ich diesen als Repeater einsetzen?

Anstelle eines WLAN-Repeaters können Sie auch einen zusätzlichen WLAN-Router nutzen, um die Reichweite zu steigern. Der Vorteil ist dabei, dass Sie so nicht nur das WLAN um kabellose Geräte erweitern können, sondern auch kabelgebundene Geräte an den Ethernet-Anschlüssen (LAN, WAN) des Zweitrouters verbinden können. Besitzen Sie beispielsweise zwei AVM-Fritzboxen, lassen sich diese als Kombination aus Basisstation und Repeater nutzen. Entsprechende Verbindungsoptionen sind in neueren Fritz-Firmwareversionen enthalten. Nutzen Sie hierzu bitte das Router-Handbuch oder kontaktieren Sie den Hersteller.

Was ist Powerline und ist das für mich sinnvoll?

Wenn sich die Verbindung zum Router weder über WLAN noch mittels Netzwerkkabel realisieren lässt, kann eventuell Powerline das Problem lösen. Diese Verbindungstechnik nutzt die Stromverkabelung im Haus über sogenannte PLC-Adapter (Powerline Communications). Zur Übertragung benötigen Sie mindestens zwei Powerline-Adapter: Der Erste wird in eine Steckdose in der Nähe des Routers eingesteckt und mit dem Router über ein Netzwerkkabel verbunden. Der zweite Adapter kommt sodann in eine Steckdose nahe beim LAN-Client, mit dem er ebenfalls per LAN-Kabel verbunden wird. Die maximal erreichbare Datenrate zwischen den zwei Adaptern wird stark durch die Stromverkabelung im Haus beeinflusst und kann sehr unterschiedlich ausfallen. Ein Powerline-Adapter-Paar, das den aktuellen Standard Home Plug AV2 unterstützt, erreicht unter Idealbedingungen (Netto-) Übertragungsraten von etwa 350 bis 400 MBit/s.

Bitte beachten Sie!

Die Nutzdatenrate bei Powerline beträgt häufig nur rund ein Drittel. Bei Powerline ist der Unterschied zwischen der beworbenen Bruttodatenrate („Linkrate“) und der relevanten Nettodatenrate („Nutzdatenrate“) besonders groß. So macht der Anteil der Nutzdaten im Powerline-Datenstrom nur etwa ein Drittel aus, während zwei Drittel für Übertragungsprotokolle gebraucht werden, den sogenannten „Overhead“. Selbst wenn das Powerline-Tool des Herstellers die höchstmögliche Linkrate von 1200 MBit/s zwischen den Powerline-Adaptern anzeigt, fließen Nutzdaten nur mit bis zu 400 MBit/s. Wie hoch die Übertragungsrate im eigenen Zuhause tatsächlich ist und ob dieser Wert Ihren Anforderungen genügt, können Sie grundsätzlich nur selbst ausprobieren, weil er von vielen Faktoren beeinflusst wird und von den örtlichen Gegebenheiten abhängt.

WLAN Standards, oder jetzt wird’s technisch.

Welche Übertragungsraten sich tatsächlich zwischen zwei WLAN-Geräten erwarten lassen, hängt von den jeweils unterstützten WLAN-Standards in den Geräten und von der Anzahl der Sende-Empfangs-Einheiten (MIMO-Streams) in den WLAN-Modulen ab. Relevant ist, ob die WLAN-Module von Router und Repeater nur ein Frequenzband (2,4 GHz, „Singleband“), zwei Frequenzbänder (2,4 GHz und 5 GHz, „Dualband“) oder gar (2,4 GHz, 2 x 5 GHz, „Triband“) parallel einsetzen können.

Die Kommunikation zwischen zwei WLAN-Geräten orientiert sich immer an dem Gerät mit dem älteren WLAN-Standard. Wenn also ein moderner 4x4-AC-Dualband-Router (802.11ac, 5 GHz und 2,4 GHz) mit einem einfachen WLAN-Gerät (802.11g, 2,4 GHz) kommuniziert, so läuft diese Verbindung nach 802.11g, das heißt lediglich mit einer Rate von höchstens 54 MBit/s bei 2,4 GHz. Wenn Sie also einen älteren Router besitzen, sollten Sie über die Anschaffung eines neuen Modells nachdenken, das über eine bessere Reichweite und schnellere Verbindungen verfügt.

Aktuell kann jeder höhere WLAN-Standard in einen niedrigeren „herunterschalten“. Sie können also auch ältere WLAN-Geräte mit einem aktuellen Router, Access Point oder Repeater verbinden. Wenn beide Seiten im selben Standard funken, bestimmt derjenige Partner mit der geringeren Anzahl an integrierten Sende-/Empfangseinheiten (MIMO-Datenstreams) die maximale Übertragungsrate. Ein 3x3-AC-Router mit 802.11ac bei 5 GHz sowie 802.11n bei 2,4 GHz wie auch ein 2x2-AC-Client (802.11ac, 802.11n) können bei einer 5-GHz-Verbindung damit dann maximal 867 MBit/s (2x2, 256QAM) erreichen, während bei einer Verbindung über 2,4 GHz nur 300 MBit/s (2x2, 64QAM) möglich sind.

Ferner wird die bestmögliche WLAN-Bandbreite nur unter idealen Bedingungen erreicht, wenn also beide Geräte in Sichtkontakt und etwa drei bis fünf Metern Abstand aufgestellt sind – und wenn darüber hinaus keine WLANs in der Nachbarschaft stören. Und selbst dann müssen Sie von der Bruttodatenrate ähnlich wie bei Powerlink rund 50 Prozent abziehen.